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Ostern Video Podcast von Norbert Becker Pfarrer i. R.

09.04.20

Liebe Freundinnen und Freunde,
Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

an Ostern fahren wir zur Oma, treffen Freunde zum Essen, feiern Gottesdienst in unserer Kapelle hier in Maria und Marta. Ostern, das höchste Fest der Christen. Für viele von uns ein beliebtes Familienfest. Gelegenheit für einen Ausflug. Das und noch viel mehr wird es in diesem Jahr nicht geben.

Trotzdem feiern wir auch in diesem Jahr Ostern. Weil wir der Macht, die uns aufrichtet mehr trauen als all dem, was uns nach unten zieht.

Doch vor dem Ostersonntag kommt der Karfreitag. Denn bevor es Ostern werden kann, müssen wir Abschied nehmen. Von vielem, was wir für selbstverständlich gehalten haben. Müssen Schmerz und Leid aushalten. Und auch diese Feiertage, die so schwer zu ertragen sind, weil sich scheinbar noch nichts, geschweige denn zum Besseren bewegt.

Vielleicht wird uns gerade in diesem Jahr besonders deutlich, dass es in den bevorstehen Feiertagen nicht um ein Geschehen von vor 2000 Jahren geht. Es geht um uns, hier und heute.

Die Evangelien erzählen sehr unterschiedlich von Jesu Leiden und Tod. Sie tun es aber alle sehr detailversessen. Weil man über menschliches Leid nicht abstrakt, nicht abgehoben reden kann.

Ich denke in diesen Tagen an die 85-jährige Frau, von der ich gehört habe. An Ostern feiert sie Geburtstag. An diesem Osterfest wird sie es ohne einen ihre Söhne tun müssen. Er lebt schon Jahrzehnte mit seiner Familie in Italien. Unerwartet und ohne Abschied nehmen zu können, ist er am Coronavirus verstorben – viel zu jung.

Wie sie fragen sich viel in diesen Tagen, warum das alles so ist, wie es ist. Ohne ein Antwort zu bekommen. Auch Christen verbietet es sich, vorschnell und vorlaut eine Antwort zu geben. Gar von einer Strafe Gottes bei dieser Pandemie zu sprechen. In unserem Glauben wird nicht die erhabene Stärke eines mit Allmacht gepanzerten Gottes verehrt. Der auch noch willkürlich straft. Im Gegenteil: Im Mittelpunkt steht ein verlassenen am Kreuz Sterbender. Mit Masochismus, mit Lust am Leiden hat dies absolut nichts zu tun.

Denn vor diesem Kreuz in die Knie zu gehen, bringt für Christen ein verändertes Verständnis von Macht zum Vorschein. Die Stärke Gottes besteht nicht etwa darin, dass er allen Niederungen enthoben ist. Nein, er setzt sich ihnen aus.

Was das für Menschen bedeuten kann, macht Jesus vor Karfreitag beim Abschied in der Fußwaschung deutlich: Nicht derjenige ist stark und souverän, der sich gegen seine Umwelt durchzusetzen weiß. Der wirkliche Held ist der, der seinen Mitmenschen wie ein Dienender begegnet und dies nicht für eine Niederlage hält. Das folgt aus dem Glauben an den gekreuzigten Gott.

Und das ist wahr, auch wenn wir als Menschen selbstloses Dienen immer nur ansatzweise erreichen können. Wir sind eben Menschen.

Dennoch bin ich allen Helden des Alltags, insbesondere all unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Herzen dankbar, dass sie sich unter so schweren Bedingungen für das Wohl und Wehe der uns anvertrauten Menschen einsetzen.

Liebe Freundinnen und Freunde,

so konkret Leiden und Sterben Jesu erzählt werden –so konkret menschliches Leiden und Sterben ist – so wenig anschaulich wird in der Bibel davon erzählt, was wir an Ostern glauben: die Auferstehung Jesu aus der Macht des Todes.

Wie viel wissen wir inzwischen über das Virus: Fakten, Zahlen und die Einschränkungen, die damit verbunden sind. Wie wenig aber wissen wir drüber, wie wirklich echte Zuversicht aus der reinen Betrachtung der Fakten gewonnen werden kann. Genau so wenig lässt sich in Worte fassen, wie aus Karfreitag Ostern werden kann. Wenn das so einfach wäre, aus Zweifel und Angst Mut und Vertrauen entstehen zu lassen! Doch da hilft kein Wissen und kein Verstand.

Das Bild hinter dem Altar versucht es auf seine Weise. Albrecht Altdorfer hat es 1518 für eine Kirche in Österreich gemalt. Altdorfer lenkt den Blick nicht von außen in die Grabeshöhle hinein und dort auf den Sarg.

Nein, er blickt aus der Höhle über den Sarkophag hinweg in die offene Landschaft hinaus. Christus, der den Tod überwunden hat, steht triumphierend wie ein Sieger auf dem Sockel seines Denkmals, auf der geschlossenen Grabplatte.

Wächter, Grabeswächter verkörpern das Nicht-begreifen-können und das Leugnen vom Sieg des Lebens. Aber in der feurigen Glut des Sonnenaufgangs am Himmel verkündet der Maler den Sieg des Lichts nach den Nächten des Leidens.

Ja, wir feiern Ostern auch in diesem Jahr – als einen Sieg des Lebens. Und wir werden uns danach als Gesellschaft insgesamt verletzbarer wahrnehmen, als wir das vorher taten. Und wir werden uns sehr lange an diese Zeit erinnern. Aber sie wird umso wertvoller werden, je mehr wir zueinander finden, je mehr wir das Miteinander pflegen – trotz Kontakteinschränkung.

Und sie wird umso wertvoller werden, wo wir Ostern nicht als ein längst vergangenes unvernünftiges Mirakel sehen. Sondern als den Sieg von Glaube, Liebe und Hoffnung: Christus war tot. Er lebt.

Nochmals Ihnen allen Danke für alles Miteinander.

Ich wünsche Ihnen frohe und gesegnete Ostern.



Hier können Sie den zweiteiligen Video Podcast anschauen:

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